Aus dem Buch Win the MamaGame, Kapitel 1: Willkommen im Spiel, dessen Regeln dir niemand erklärt hat
Der Familienbesuch. Die Oma breitet die Arme aus. Dein Kind versteckt sich hinter deinem Bein. Und dir wird heiß, als hättest du gerade eine Prüfung verhaut.
Dabei hat niemand etwas gesagt. Die Bewertung kam aus deinem eigenen Kopf.
So entsteht Druck als Mama oft. Nicht durch die anderen, sondern durch eine Anzeigetafel, die in dir mitzählt.
Woran du merkst, dass die Anzeigetafel läuft
Sie läuft leise mit, den ganzen Tag.
- 6:30 Uhr. In der Gruppe der Klasse hat ein anderes Kind schon wieder etwas gebastelt. Minuspunkt.
- Frühstück. Toastbrot statt Haferflocken mit Obst. Minuspunkt.
- Schulweg. Du treibst an, dein Kind trödelt. Minuspunkt, für euch beide.
- Nachmittag. Hausübung, Tränen, du wirst laut. Großer Minuspunkt.
- Abends. Du liegst im Bett und rechnest nach. Das Ergebnis ist selten gut.
Kennst du das? Dann hängt sie bei dir auch. Bei mir hängt sie schon lange.
Leseprobe aus Kapitel 1: Die unsichtbare Anzeigetafel
Leseprobe aus dem Buch Win the MamaGame
Win the MamaGame erscheint am 02.02.2027. Dieser Abschnitt steht im ersten Kapitel.
Stell dir vor, über deinem Familienalltag hinge eine große Anzeigetafel. Für jeden entspannten Morgen bekommst du einen Punkt. Für ein gesundes Mittagessen ebenfalls. Wenn dein Kind höflich grüßt, leuchtet kurz „Gute Erziehung“ auf. Will es beim Familienbesuch niemanden umarmen, ist wütend, laut oder traurig, werden dir Punkte abgezogen.
Natürlich hängt diese Tafel nirgends. Aber viele Mamas tragen sie im Kopf.
Wir lesen das Verhalten unserer Kinder als Bewertung unserer eigenen Person. Das Kind hat Schwierigkeiten – also habe ich versagt. Das Kind geht einen anderen Weg – also habe ich etwas falsch gemacht. Das Kind fühlt sich schlecht – also muss ich dieses Gefühl sofort beseitigen.
Damit übernehmen wir nicht nur Verantwortung. Wir übernehmen die Illusion von Kontrolle – ein ausgesprochen anstrengender Vollzeitjob ohne Gehalt und ohne Urlaubsanspruch.
Verantwortung und Kontrolle sehen sich manchmal täuschend ähnlich, sind aber nicht dasselbe. Verantwortung fragt: Was ist mein Anteil? Was kann ich jetzt tun? Kontrolle sagt: Wenn ich alles richtig mache, darf nichts Schwieriges passieren.
Dieser Handel funktioniert nicht. Du kannst liebevoll begleiten und dein Kind wird trotzdem traurig sein. Du kannst aufmerksam sein und trotzdem etwas übersehen. Du kannst eine gute Entscheidung treffen, deren Folgen anstrengend sind. Und du kannst nach bestem Wissen handeln und später erkennen, dass du heute anders entscheiden würdest.
Eine gute Mama ist nicht die, bei der nichts schiefläuft. Eine gute Mama bleibt ansprechbar – auch für die Wahrheit.
Druck als Mama: Wer da die Punkte vergibt
Schau richtig hin. Dein Kind vergibt keine Punkte. Die Oma meistens auch nicht. Sie ist vielleicht kurz enttäuscht.
Die Punkte vergibt eine Prüfungskommission in deinem Kopf. Sie besteht aus Sätzen, die du irgendwann gehört hast. Sei brav. Was sollen die Leute sagen. Das macht man nicht.
Die Tafel wird nicht leiser, wenn du dich mehr anstrengst. Sie wird leiser, wenn du anfängst, ihre Regeln zu prüfen. Woher kommt diese Regel? Hilft sie mir und meinem Kind heute? Oder spiele ich nach einer Regel, die nie meine war?
Der MamaGame-Kreislauf am Familienbesuch
Der Kreislauf mit seinen fünf Schritten steht auch auf meiner Startseite. Für sich allein sagt er wenig. Darum hier einmal durchgespielt, an der Oma und dem Kind hinter deinem Bein:
- Erkennen. Mir wird heiß. Hier passiert gerade etwas in mir, nicht nur bei meinem Kind.
- Bewusst wahrnehmen. Ich will mein Kind nach vorn schieben, damit es die Oma umarmt. Ich schäme mich.
- Hinterfragen. Wem will ich gerade gefallen? Meinem Kind hilft das Schieben nicht. Der Tafel schon.
- Neu ausrichten. Was ist mir wichtiger: dass die Oma zufrieden ist oder dass mein Kind merkt, dass sein Nein zählt?
- Handeln. „Heute nicht. Winken geht auch.“ Und dann gibt es Kuchen.
Das dauert in echt ein paar Sekunden. Beim ersten Mal länger. Und danach fängt der Kreis wieder von vorn an, beim nächsten Minuspunkt. Wie du daraus dein eigenes Playbook machst, steht im Buch.
Häufige Fragen
Woher kommt der Druck als Mama, wenn niemand etwas sagt?
Oft aus alten Regeln, die du irgendwann übernommen hast. Eine gute Mama ist geduldig, organisiert, immer da. Diese Regeln vergeben Punkte, auch wenn niemand zuschaut.
Wie werde ich den Druck als Mama los?
Nicht auf einmal. Nimm dir eine Regel vor und frag dich: Wer hat sie geschrieben, und will ich sie behalten? Darum geht es am 30.10. im nächsten Beitrag.
Weiterlesen: Willkommen im MamaGame · Ungefragte Erziehungstipps · Buch Win the MamaGame
Zum Mitmachen: Eine Regel unter die Lupe nehmen
- Vervollständige den Satz: Eine gute Mama muss …
- Von wem kennst du diese Regel?
- Hilft sie dir heute? Was kostet sie dich?
- Wie würdest du sie formulieren, wenn deine Bedürfnisse auch zählen?
Dein nächster Spielzug
Wenn heute die Tafel aufleuchtet, sag innerlich: Danke, notiert. Und dann frag dich, was dein Kind gerade braucht. Nicht die Tafel.




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