Manchmal ist gar nicht der Alltag allein das Problem
Es gibt diese Tage, an denen eigentlich noch gar nichts richtig Schlimmes passiert ist.
Und trotzdem bist du um 9:17 Uhr innerlich schon bei:
„Ich kann heute einfach nicht mehr.“
Ein Kind braucht etwas.
Das Handy klingelt.
Du siehst im Vorbeigehen den Wäschekorb.
Dir fällt ein, dass du noch jemanden zurückrufen wolltest.
Auf dem Tisch liegt irgendein Zettel, den du seit drei Tagen „gleich“ wegräumen möchtest.
Und während du versuchst, wenigstens eine Sache fertigzumachen, läuft im Kopf bereits die nächste To-do-Liste.
Das Interessante daran:
Nicht alles, was uns stresst, passiert tatsächlich im Außen.
Ein Teil des Stresses entsteht dadurch, wie wir das, was passiert, innerlich bewerten.
Das bedeutet nicht, dass du dir Stress nur einbildest.
Und es bedeutet auch nicht, dass du deinen übervollen Alltag einfach mit ein bisschen positivem Denken wegmeditieren kannst.
Schön wär's. 😅
Aber zwischen dem, was passiert, und dem, was es in dir auslöst, passiert etwas Entscheidendes:
Du denkst etwas darüber.
Und genau da können wir ansetzen.
MAMABÜRO GEDANKE
Du kannst nicht immer entscheiden, was heute passiert.
Aber du kannst lernen zu erkennen, was du daraus in deinem Kopf machst.
Diese 7 Gedanken solltest du einmal genauer anschauen
Nicht jeder dieser Gedanken wird zu dir passen.
Vielleicht erkennst du dich aber bei einem davon sofort.
Und genau den würde ich nicht möglichst schnell „wegmachen“.
Ich würde ihn erst einmal beobachten.
1. „Ich muss das alles schaffen.“
Das ist einer meiner persönlichen Favoriten.
Nicht.
Denn dieser Satz klingt zunächst verantwortungsvoll.
Natürlich müssen bestimmte Dinge erledigt werden.
Die entscheidende Frage ist:
Musst DU wirklich ALLES schaffen?
Und vor allem:
Muss alles heute passieren?
Aus einem normalen:
„Ich möchte heute noch die Wäsche machen“
wird in unserem Kopf ziemlich schnell:
„Ich müsste die Wäsche längst gemacht haben.“
Und plötzlich steht da nicht mehr einfach nur ein Wäschekorb.
Da steht ein kleiner Korb voller persönlichem Versagen im Wohnzimmer, Schlafzimmer oder flur.
Probier stattdessen:
„Was davon ist heute wirklich wichtig?“
Das ist keine Ausrede, Dinge nicht zu erledigen.
Es ist Priorisierung.
2. „Eine gute Mama müsste …“
Diesen Satz kannst du beliebig ergänzen.
… geduldiger sein.
… gesünder kochen.
… mehr mit ihren Kindern spielen.
… weniger arbeiten.
… mehr arbeiten.
… konsequenter sein.
… entspannter sein.
Besonders praktisch: Egal was du machst, irgendwo findest du jemanden, der dir erklärt, warum genau das falsch ist.
Das Internet hilft dabei außerordentlich zuverlässig. 😅
Deshalb interessiert mich inzwischen viel mehr:
Wer hat eigentlich definiert, was eine „gute Mama“ ist?
Und entspricht diese Definition überhaupt meinen Werten?
Probier statt „Eine gute Mama müsste …“:
„Welche Mama möchte ICH für meine Kinder sein?“
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
3. „Ich darf niemanden enttäuschen.“
Wenn du diesen Gedanken tief verinnerlicht hast, wird ein kleines Wort plötzlich erstaunlich schwierig:
Nein.
Dann sagst du Ja, obwohl du Nein meinst.
Übernimmst noch etwas.
Machst es doch selbst.
Erklärst dich.
Rechtfertigst dich.
Und bist anschließend möglicherweise auf alle anderen sauer, obwohl sie gar nicht wissen konnten, dass dein Ja eigentlich ein Nein war.
Das Problem ist:
Wenn du niemals jemanden enttäuschen möchtest, enttäuschst du irgendwann ziemlich zuverlässig dich selbst.
Probier:
„Ein Nein zu etwas anderem kann ein Ja zu mir sein.“
4. „Die anderen bekommen das doch auch hin.“
Tun sie das?
Oder siehst du nur das Ergebnis?
Wir vergleichen erstaunlich gerne unser komplettes Innenleben mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines anderen Menschen.
Du kennst ihre Voraussetzungen nicht.
Ihre Unterstützung nicht.
Ihre finanziellen Möglichkeiten nicht.
Ihre Beziehung nicht.
Ihre Gedanken nicht.
Und du weißt schon gar nicht, was fünf Minuten vor dem hübschen Instagramfoto in deren Küche los war.
Vielleicht lag da auch gerade jemand schreiend unter dem Tisch.
Und vielleicht war es die Mutter...
Probier:
„Was brauche ICH gerade, damit es für mich funktioniert?“
5. „Ich müsste eigentlich weiter sein.“
Weiter wobei?
Im Beruf?
Finanziell?
Mit deiner persönlichen Entwicklung?
Mit deinem Körper?
Mit deinem Haus?
Mit deiner Geduld?
Wir behandeln unser Leben manchmal wie einen Stundenplan.
Mit 25 sollte …
Mit 30 müsste …
Mit 40 hätte ich längst …
Nur hat offensichtlich niemand dem Leben diesen Stundenplan geschickt.
Manche Dinge brauchen länger.
Manche Umwege ergeben erst rückblickend Sinn.
Und manche Ziele ändern sich, weil du dich verändert hast.
Probier:
„Wo stehe ich heute – und was ist mein nächster sinnvoller Schritt?“
Nicht die nächsten 48 Schritte.
Einer reicht erst einmal.
6. „Ich muss erst sicher sein.“
Der Gedanke hat mich selbst lange beschäftigt.
Wir möchten gerne vorher wissen, ob eine Entscheidung richtig ist.
Ob etwas funktioniert.
Ob wir es schaffen.
Ob andere es verstehen.
Ob wir irgendwann bereuen, abgebogen zu sein.
Nur:
Absolute Sicherheit gibt es bei vielen wichtigen Entscheidungen nicht.
Manchmal entsteht Vertrauen nicht vor dem ersten Schritt.
Sondern weil wir ihn gehen und merken:
Okay. Ich kann damit umgehen.
Probier:
„Was müsste ich wissen, um den nächsten Schritt verantwortungsvoll gehen zu können?“
Das ist etwas anderes als darauf zu warten, bis jede Unsicherheit verschwunden ist.
7. „Wenn ich mich nur genug anstrenge, bekomme ich alles unter Kontrolle.“
Das ist vielleicht der gemeinste Gedanke von allen.
Denn er suggeriert:
Wenn etwas schiefläuft, hast du dich offenbar nicht genug bemüht.
Aber das Leben besteht nun einmal nicht ausschließlich aus Dingen, die wir kontrollieren können.
- Menschen treffen Entscheidungen.
- Kinder entwickeln sich.
- Pläne ändern sich.
- Firmen scheitern.
- Beziehungen verändern sich.
- Geld kann plötzlich knapp werden.
- Eine einzige Nachricht kann einen perfekt geplanten Dienstag innerhalb von drei Minuten komplett umsortieren.
Mentale Stärke bedeutet deshalb für mich nicht, alles unter Kontrolle zu haben.
Sie bedeutet, mir selbst zuzutrauen, dass ich auch mit Dingen umgehen kann, die ich nicht kontrollieren kann.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
MAMABÜRO GEDANKE
Du kannst nicht immer entscheiden, was heute passiert.
Aber du kannst lernen zu erkennen, was du daraus in deinem Kopf machst.
Wie du herausfindest, welcher Gedanke dich gerade stresst
Das musst du nicht kompliziert machen.
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du gereizt, angespannt oder völlig überfordert wirst, versuch nicht sofort, dieses Gefühl wegzubekommen.
Frag dich kurz:
Was ist gerade tatsächlich passiert?
Und danach:
Was denke ich gerade darüber?
Beispiel:
Dein Kind hat etwas vergessen.
Das ist zunächst einmal das, was passiert ist.
In deinem Kopf könnte daraus werden:
„Immer muss ich an alles denken!“
Und dieser Gedanke macht emotional etwas völlig anderes mit dir als:
„Okay. Es hat etwas vergessen. Wie gehen wir jetzt damit um?“
Das bedeutet nicht, dass du alles toll finden musst.
Es schafft nur ein kleines bisschen Abstand zwischen Situation und Reaktion.
Und genau dieser kleine Abstand kann reichen, damit du wieder handeln kannst, statt automatisch zu reagieren.
Du brauchst nicht sofort einen besseren Gedanken
Das ist mir wichtig.
Mentaltraining bedeutet für mich nicht:
Negativen Gedanken erwischt → positiven Gedanken draufkleben → fertig.
Wenn du gerade denkst:
„Ich schaffe das alles nicht mehr.“
hilft dir:
„Ich bin eine grenzenlose Powerfrau und kann ALLES!“
wahrscheinlich ungefähr so viel wie ein Motivationsspruch auf einer Müslipackung. 😅
Der neue Gedanke muss für dich glaubwürdig sein.
Vielleicht wird aus:
„Ich schaffe das alles nicht.“
erst einmal:
„Ich muss heute auch nicht alles schaffen.“
Aus:
„Ich bin eine schlechte Mama.“
wird:
„Dieser Moment ist gerade schwierig. Das macht mich nicht zu einer schlechten Mama.“
Und aus:
„Ich habe keine Ahnung, wie das weitergehen soll.“
vielleicht:
„Ich muss heute noch nicht den ganzen Weg kennen. Ich brauche den nächsten Schritt.“
Das ist weniger spektakulär.
Aber wesentlich brauchbarer.
Eine kleine Übung für deinen Alltag
Nimm dir heute einen Gedanken vor.
Nicht sieben.
Wir wollen schließlich nicht aus einem Artikel über weniger Druck direkt das nächste Selbstoptimierungsprojekt machen. 🤪
Schreib dir drei Fragen auf:
1. Was denke ich gerade?
2. Ist das eine Tatsache – oder meine Bewertung der Situation?
3. Welcher andere Gedanke wäre ebenfalls möglich und würde mir helfen, sinnvoll zu handeln?
Mehr nicht.
Mach das nicht erst dann, wenn du völlig auf 180 bist.
Übe es bei den kleinen Dingen.
Denn genau daraus entsteht mit der Zeit etwas, das ich unglaublich wertvoll finde:
Du erkennst deine eigenen Muster schneller.
Und irgendwann erwischst du dich mitten in einer Situation bei:
„Ahhh. Da ist er wieder.“
Das Problem ist damit vielleicht noch nicht gelöst.
Aber du bist ihm nicht mehr vollkommen ausgeliefert.
Und genau da beginnt Veränderung.
Was du daraus mitnehmen kannst
Vielleicht brauchst du heute keinen komplett neuen Alltag.
Vielleicht muss auch nicht deine ganze Familie anders funktionieren.
Manchmal lohnt es sich zuerst, einen Blick darauf zu werfen, was in deinem Kopf passiert, während dein Leben passiert.
Denn Gedanken sind mächtig.
Aber sie sind keine Befehle.
Du darfst sie überprüfen.
Du darfst sie verändern.
Und du darfst irgendwann feststellen:
Nur weil ich diesen Gedanken seit zwanzig Jahren denke, muss ich ihn nicht die nächsten zwanzig Jahre behalten.
Das wäre für heute doch schon ziemlich viel. ❤️



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